Caroline Hartge

LYRIKERIN, ÜBERSETZERIN, HERAUSGEBERIN

Beiträge in:

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Social Beat-men (Reprise)

in:
KulturNetz
(1/2013)

Seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts haben wir uns an die Allgegenwart und den alltäglichen Gebrauch von Medien gewöhnt, die es vor – sagen wir etwas willkürlich – fünfzehn bis zwanzig Jahren noch nicht gab. Heute schlägt man keine Zeitung mehr auf, ohne dass einem der Begriff der Social Media begegnet, sei es unter politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder künstlerischen Aspekten – sofern man sie überhaupt noch aufschlägt und nicht gleich die Internetseite der jeweiligen Publikation aufruft.

Eine andere, mehr lokale als globale, aber gleichwohl landesweit ausstrahlende Institution mit einem ähnlich harmlos-niedrigschwelligen Namen feierte unlängst in Berlin ihr zwanzigjähriges Bestehen: das Open Mike. Veranstalter ist die Literaturwerkstatt Berlin, zu den Siegern zählten im Lauf der Jahre unter anderen Karen Duve, Kirsten Fuchs, Tobias Hülswitt, Björn Kuhligk, Markus Orths und Jochen Schmidt.

Nun sind zwanzig Jahre angesichts der Geschwindigkeit, mit der technische Neuerungen sich in unser Leben insinuieren, eine erhebliche Zeit. Das Jubiläum der viel beachteten Lesebühne und der zur Zeit in vieler Munde befindliche Begriff seien zum Anlass genommen, an eine vorübergehende Erscheinung im deutschen Literaturbetrieb zu erinnern, die die wohl letzte aus sich selbst heraus organisierte Initiative zur weiträumigen Vernetzung deutscher Autoren vor der flächendeckenden Ausbreitung elektronischer Medien und digitaler Kommunikation in Mitteleuropa war und als solche den Weg für Plattformen wie das Open Mike und die Poetry Slam-Szene bereitet hat. […] (PDF)

Hadayatullah zum 60. Geburtstag

in:
Kult Nr. 23
(2006)

eigentlich immer, wenn ich Hadayatullah sehe, ist es frankfurt & messe: die zwei gehören recht zusammen. – von anregungen zu sehr diversen themen wie kindererziehung (kinder brauchen nestwärme), veröffentlichungspolitik (na, Caroline, wann erscheint denn dein nächstes buch bei Pit ... 2010??), oder candy-candle-Kandel abgesehen, verdanke ich ihm eine erinnerungswürdige autofahrt, die uns durch zwei bis drei parallele universen führte: 1998, von ffm nach bi. wir waren, würde ich meinen, vier: drei fromme muslime, bärtige, batschkappige konvertiten allesamt, und eine relative christin, unverschleiert, aber mit mundwerk. zwischendurch, hinter niddatal, frappierte mich kurzzeitig der gedanke, daß ich in der weltanschauung meiner mitreisenden eigentlich gar nicht existiere und ob ich folglich überhaupt mit ihnen in einem auto säße? – sie hatten einen lustigen running gag: wann immer ein mcdonald-schild in sicht kam, fing Hadayatullah auf dem beifahrersitz herzzerreißend an zu barmen: OHDAEINMCDONALDMANNLASSTUNSSOFORTABFAHRENUNDGANZ VIELEBURGERESSENICHSTERBEVORHUNGERICHMUSSAUFDERSTELLE EINENBURGERHABENMANNJETZTFAHRDOCHRUNTEREYFAHRDOCHABMANN ... was seine beiden chauffeure (einer für den hin-, einer für den rückweg) ausgelassen verweigerten – pfui dreck aus schweinefleisch, nix gibt’s, außerdem sind wir strikt für anti US imperialismus, vergiß das nicht! worauf Hadayatullah manisch am radio zu fummeln anfing und (es gab mal einen piratensender radio caroline, aber das war bevor du geboren wurdest) den kurhessisch-waldeckischen bzw. ostwestfälischen radiorausch kenntnisreich zu kommentieren wenn nicht gleich mitzusingen anfing no reason to get excited! bis zum nächsten mcdonald-schild. und derer gab es in der gegend reichlich. während ich zu dem ergebnis kam, wohl doch mit im auto zu sitzen, warum schließlich nicht, nur vielleicht war es kein auto mehr, sondern ein paralleluniversen traversierendes, musikgetriebenes geschoß – schwenkten wir schon auf die bielefelder einflugschneise & der bruder fahrer fragte: wo müssen wir denn eigentlich hin? Hadayatullah gab bescheid: ins ajz, heeper straße; und siehe, der fahrer kannte es: in meinem früheren leben als punk hab ich da mit meiner band gespielt ... wir haben dann im grunde nur gelesen, ich habe einem der brüder etwas signiert, die dann alle drei nächtens zurück nach hause fuhren, während ich sehr freundliche aufnahme bei den veranstaltern, erklärten atheistenanarchisten, fand ... aber das fiel nach der reise doch etwas ab, die mir deswegen so erinnerlich ist, weil Hadayatullah sie schon im geschehen in einen langen poetischen moment verwandelte (ein gedicht machte er nachher sowieso noch daraus, natürlich). so, Hadayatullah, thanks for the ride, & any time next time.

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